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Carmen Schaub







Palani (2012)
Holz, Lack, Tempelhaar
30 x 30 x 75 cm

Ausgehend von den Maßen eines Hirschgeweihs entwickelt die Arbeit „Palani“ eine Form, die den Raum zwischen den beiden Geweihstangen verkörpert und in eine weibliche Art des Kopfschmucks transferiert. Das lange indische Tempelhaar wurde von Gläubigen in Palani geopfert, für den westlichen Haarmarkt aufbereitet und als Utensil zur Haarverlängerung weiterverkauft. Es dient als Spiegel und Aushängeschild der Persönlichkeit, als Schönheitsideal und als Merkmal von Jugend- und Subkultur. Was einst männliche Macht und körperliche Stärke im Sinne Samsons bedeutete frönt nun der Extravaganz des vermeintlich schwachen Geschlechts.








MUC-EWR 10/19/11 (2011)
Koffer, Perlgarn
30 x 40 x 250 cm

Die Arbeit „MUC-EWR 10/19/11“ ist eine Visualisierung der Flugpläne von München und Newark (New Jersey). Dargestellt wurden alle möglichen Flugverbindungen zwischen den beiden Orten, die am 19. Oktober 2011 von München aus starten sollten, um nach einem beliebigen Zwischenstop Newark zu erreichen. Das Datum wurde gewählt, da ich am 19. Oktober 2011 im Rahmen eines Austauschprojekts eben diese Flugroute mit meinem Koffer bereiste, der in sich alle Möglichen Umwege eingenäht beinhaltete, die er hätte nehmen können, um trotzdem bei mir in Newark anzukommen.
Dabei sind in den Deckel des komplett in drei Teile zerlegbaren Koffers den Flugplänen getreu die Abflüge von München eingenäht, die zu einem Zwischenstop auf einer nicht sichtbaren Weltkarte im mittleren Teil des Koffers führen, um von dort nach Newark International Airport zu gelangen, dessen Terminals im Boden des Koffers zu finden sind. Auf diese Weise entsteht ein Netzwerk aus bunten Fäden, welche die Airlines farbig kennzeichnen, das sich je nach Standpunkt und Blickwinkel des Betrachters im Raum verändert und bei genauerem Betrachten Rückschlüsse über die Beschaffenheit unserer globalen Vernetzung zulässt.








Bodypartitur (2011)
Diashow
200 x 300 cm

Die Arbeit „Bodypartitur“ basiert auf spontanen unwillkürlichen Bewegungen, die präzise in Sequenzen zerlegt und abfotografiert werden, so dass konzentrierte Bewegungsstudien entstehen. Über drei Diaprojektoren werden diese implizit generierten und bewusst nachvollzogenen Bewegungsabläufe, die stets durch zwei extreme Haltungen gekennzeichnet sind, an die Wand projeziert. Aus diesem Zusammenspiel von Intuition und Kontrolle von Körperlichkeit und Geistigem entsteht eine Choreografie, die durch das rhythmische Klacken der Diaprojektoren ihren Takt erhält.








Gelbe Rose 15:30 Uhr (2011)

In der performativen Installation mit dem Titel „Gelbe Rose 15:30 Uhr“ platziere ich mich für den Zeitraum der Jahresausstellung der Akademie der Bildenden Künste vor der öffentlichen Webcam am Café Münchner Freiheit (www.cafecam.de). Die gelbe Rose in meiner Hand symbolisiert als geheimes Zeichen eines imaginären Blind Dates mein vergebliches Warten und Hoffen.
Die Ausstellungsbesucher können über die sich alle fünf Sekunden erneuernden Livebilder mein Ausharren inmitten der vorbeigehenden Passanten und Cafegäste beobachten. Auf diese Weise erhalten die Besucher als anonyme Beobachter Einblicke in private Sphären und werden somit zu Voyeuren meiner Einsamkeit.

Die Performance hat zahlreiche Reaktionen bei Ausstellungsbesuchern, Passanten und im Imternet ausgelöst. Hier nur einige Links:

http://www.toytowngermany.com/lofi/index.php/t223415.html
(55 seitige Forumsdiskussion mit Bildern und Videos)

http://www.muenchnersingles.de/forum/topic/255930

http://www.neon.de/artikel/fuehlen/liebe/einer-dieser-tage/681878
(Kurzgeschichte in der Neon)

https://plus.google.com/114250946512808775436/posts/RaiN2Nrru9e
(Video aus den Screenshots von der Webcam)

http://www.trusnow.com/forum/forum_posts.asp?TID=47948&PN=1&PID=1063187

http://www.stadtneurotiker.org/?tag=lila-schirm








dreihundertneunzehntausendvierhundertdreiundachzig (2011)
Glasperlen, Edelstahl
600 x 40 x 2 cm
mit freundlicher Unterstützung von www.menem-online.com

Die Arbeit mit dem Titel „dreihundertneunzehntausendvierhundertdreiundachzig“ besteht aus ebenso vielen von Hand aufgefädelten Glasperlen. Ausgehend von den vier Elementen und den klassischen Indianerfarben blau, rot, weiß und schwarz wurden immer zehn Perlen einer Farbe nacheinander aufgereiht und auf einen Rahmen gespannt. Auf diese Weise entsteht eine abstrakte Farbverschiebung, die sich als etwa sechs Meter langes Band horizontal durch den Raum zieht. Dabei lassen minimale Unterschiede in Größe und From der einzelen Perlen im Ganzen Strukturen zwischen Ordnung und Chaos entstehen.






Performance „Präsentation“ (2011)

Macht zu präsentieren und ihre Armee zu repräsentieren, das ist die Aufgabe der Queen´s guard, der wohl bekanntesten Ehrenwache. Mit ihren schwarzen Bärenfellmützen verharren sie stundenlang regungslos und mit ernster Mine vor historischen Gebäuden, den An- und Übergriffen von Touristen ausgeliefert, die sie zu irgendeiner Reaktion zu verleiten versuchen.
Doch wie gelingt es einem Menschen sich derart losgelöst von seiner Persönlichkeit, als reines Statussymbol zu präsentieren?












Performance „Barocke Invasion“ (2010)

Auf der Grundlage des Barockgedichtes „Es ist alles Eitel“ von Andreas Gryphius wurde eine Performance konstruiert,  die sich in einem Spannungsfeld von Text, Musik und Stille bewegt. Dabei werden Gedichtsfragmente als Medium einer absurden Kommunikation nach strenger Etikette benutzt, die durch zufällig eingespielte Musikintervalle gebrochen und geformt wird. Der Dualismus zwischen strengen Vorgaben und Improvisation wird durch die Möglichkeit der Zuschauer über Handyanrufe ins Geschehen einzugreifen noch polarisiert.






Diamonds last forever (2010)
Götterspeise
270 x 100 x 5 cm




Alles bleibt besser (2010)
Messing, Holz, Stoff
30 x 35 x 25 cm

„Der Zweck heiligt die Mittel“ war die Prämisse nach der Armand-Jean I. du Plessis de Richelieu, besser bekannt als Kardinal Richelieu, sein Leben und den französischen Staat gestaltete. Als Mann Gottes ging er über Leichen, verriet seine engsten Vertrauten und stellte sich im dreißig jährigen Krieg auf die Seite der Protestanten gegen den katholischen Papst. Sein skrupelloses Vorgehen schürte zwar Hass und Verrat, doch dank des weit verzweigten Netzwerks seiner „Kreaturen“ und Spione blieb ihm nichts verborgen, was ihm ein Marionettenspiel auf der politischen Bühne Europas erlaubte. Doch war der Kardinal wirklich eine so morallose Bestie oder war er als radikaler Vordenker lediglich seiner Zeit voraus?
Das spannende Spiel mit Macht und Mythos, Tradition und Innovation wird auch heute noch gespielt. Zwar wurden die Karten neu gemischt und die blühende westliche Esoterikszene hat sich als Wegweiser auf der Suche nach Halt und Heilung unter die traditionellen christlichen Glaubensrichtungen gemischt; doch bleibt die Instrumentalisierung von Hoffnungen und Erwartungen nicht immer bestehen?
So soll auch die Klangschale Resonanzen im menschlichen Körper wecken, seine Lebensenergie zum fließen bringen und ihn zum Ursprung seines Seins zurückführen. Allerdings fungiert die Klangschale in ihrer fernöstlichen Heimat lediglich als traditionelles Küchengeschirr, das im Zuge der Globalisierung seine Bedeutung verloren hat und seit über 60 Jahren nicht mehr gefertigt wird.
Heiligt nicht auch hier in gewissermaßen der Zweck die Mittel?






















Verlaufsmuster (2009)
Sand
400 x 400 cm

Das fraktale Muster...
durch einfache mathematische Modelle lassen sich Muster erzeugen, die echten Naturprodukten verblüffend ähnlich sehen. Dies ist möglich, da die Arbeitsweise der Natur mit synergetischen, sich selbstorganisierenden Strukturen und Mustern beschrieben werden kann. Die meisten natürlichen Objekte, auch wir Menschen, setzen sich aus vielen verschiedenartigen, ineinander verflochtenen Fraktalen zusammen.
Fraktal bezeichnet in der Mathematik ein geometrisches Gebilde, das die Eigenschaft der Selbstähnlichkeit besitzt, d. h., dass jedes kleine Stück des Fraktals die Struktur des Gesamtobjekts aufweist.
Das komplizierte fraktale Neuronenmuster des menschlichen Nervensystems bildet ein unglaublich empfindsames und effizientes Netzwerk für die Verarbeitung von Sinneseindrücken und die Generierung wichtiger Informationen. Wiederholungen und Regelmäßigkeiten zu erkennen ist ein Leistungsmerkmal menschlicher Wahrnehmungsmuster und hilft uns unsere Welt zu strukturieren. Als konstruktiver mentaler Prozess führt diese Mustererkennung aber auch dazu, dass wir Muster suchen und uns (ein)bilden, wo gar keine vorhanden sind...
...oder vielleicht doch?

... aus Sand ...
das einzelne Korn ist völlig unscheinbar, doch in der Masse der Sanddüne bekommt es die Gewalt der mächtigen Woge, formt grandiose Naturlandschaften und dient als fundamentaler Rohstoff, auf den unsere Gesellschaft gebaut ist. Doch ist Sand auch ein Produkt des Zerfalls; einst scharfkantiges Geröll, durch Wind und Wasser rundgeschliffen, an Kollisionen zerbrochen und zu feinen Sandkörnern zermahlen, wird er auf seiner Reise der Erosion sowohl durchmischt als auch sortiert.

... und wie es verschwand!
auch wenn wir versuchen unsere Muster und mühevoll erschaffenen Strukturen zu erhalten, so werden sie doch mit der Zeit in Unordnung geraten und ins Chaos übergehen. Doch weist diese irregulär erscheinende Dynamik nicht auch bestimmte Muster auf? Oder liegt das Muster ohnehin alleine im Auge des Betrachters?

Und die Spur dessen was einst war verläuft sich nun im...
wir Menschen zeichnen uns dadurch aus, dass wir Pläne schmieden und uns Strukturen schaffen. Doch ein notwendiger Teil der Natur ist durch Zufall und Instabilität geprägt. Instabilität ist die Voraussetzung für Selbstorganisation; doch in der planbaren Welt natürlich der Todfeind. Allerdings sind in jedem Chaoszustand hochdifferenzierte Informationen verborgen die Grundlage und „Bauanleitungen“ für neue höhere Ordnungen darstellen und sich zu völlig neuen, noch nie dagewesenen Strukturen aufbauen können. Die Evolution mit ihrem Prinzip der Selbstorganisation hat als kreative Basis das deterministische Chaos.





o.T. (2008)
Keramik
60 x 60 x 25 cm


Vita

geboren am 12.11.1981 in Gengenbach

2002-2003 Ausbildung zur Steinbildhauerin bei Dr. Pfanner GmbH, München

seit 2008 Studium an der AdbK München bei Prof. Prangenberg


Ausstellungen (Auswahl)
2012      Kuba, Saarbrücken
               Dannerausstellung der Klasse Prangenberg, München
2011      Rutgers, New Jersy
                Final Show, Internationale Sommerakademie, Salzburg
                Jahresausstellung der AdBK, München
               "Irgendeiner wartet immer" Galerie der Künstler, BBK München
2010      „Barocke Invasion“ Westwerk, Hamburg
                LeoBox, München
                Jahresausstellung der AdBK, München
                Dannerausstellung der Klasse Prangenberg, München
2009      „Senses `09“ Nacht der Wissenschaft, München
                Jahresausstellung der AdBK, München
2008      Dannerausstellung der Klasse Prangenberg, München
2000      Akademie Schloss Rotenfels


Preise
2012       2. Preis klasseninterner Dannerwettbewerb
2011       Stipendium für die Sommerakademie Salzburg
                1. Preis klasseninterner Dannerwettbewerb
2010       3. Preis klasseninterner Dannerwettbewerb
2000       Förderung für künstlerisch besonders befähigte Schüler durch das Kultusministerium Baden-Württemberg



Carmen Schaub  


Studium an der Akademie der Bildenden Künste in München
ab 2008. Klasse Prangenberg.

Letzte Aktualisierung dieser Seite
am 12.03.2012.


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