in Zusammenarbeit mit Verena Seibt
Vorschau:
"Die ersten Jahre der Professionalität 29"
14.4. - 7.5.2010, Galerie der Künstler, München
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Unterwelt (2009) | HD Video 8'50''
Einige Meter unterhalb der Häuser und Straßen und Plätze beginnt das andere Leben. Durch graue Erdschichten gräbt sich die Kamera in eine labyrinthische Dämmerzone aus Gängen, Schächten, Gewölben, die wie adriges Wurzelwerk die Stadt unterhöhlen. Bibliotheksmagazine gleiten vorbei und Archive, in denen Seltsames steht, der kathedralartige Saal eines Trinkwasserreservoirs, Waschküchen, Kellerabteile in gelblichem Lampenschein. Die Welt oben dringt nur gedämpft und gefiltert hierhin: als blasser Lichtstrahl, der durch irgendeine Ritze tropft, als leises Orgelspiel, das von weit in die Stille einer Krypta geweht wird. Dann schneidet der Beat eines Clubs herein, das Stampfen von Füßen; später bleiben nur mehr die feinen, flüsternden Geräusche raschelnden Papiers oder einer knarzenden Tür, das Pochen und Summen unbekannter Maschinen, ein Rauschen im Dickicht der Röhren und Leitungen, das Glucksen und Gurgeln der Kanalisation. (Christian Hartard)

Pascal Jäger
Autokino (2009) | Rauminstallation mit Videoloop 3'10''
Ein Auto mit einer auf dem Dachträger montierten Regenanlage. Der Scheibenwischer läuft, Motorgeräusche und eine Melodie aus dem Radio. Davor eine Kinoleinwand. Doch was man dort sieht ist die Illusion der eigenen Realität.
Radiomix von Carl Stracke

Schaukel 1989 (2009) | ehem. Brauerei, Rehlovice/ CZ

Pascal Jäger
Debutanten (2009) | Haupteingang AdBK
Unter dem Vordach des Hauptportals prasselt der Regen in Strömen im Eingangsbereich auf die Passanten – wenn auch draußen die Sonne scheint. Mit der Heiterkeit eines barocken Wasserscherzes überspielt die Arbeit die Strenge der Repräsentationsarchitektur und konterkariert ihre Funktionalität: Wer hinein- oder hinausmöchte, gerät genau dort, wo er Schutz vor der Witterung vermutet, in einen kalten Schauer; innen und außen sind vertauscht. Einen Moment hält man daneben verdutzt inne, erstaunt über ein Naturschauspiel an einem Ort, der sonst als Durchgang fungiert.


Und das Schiff fährt (2009) | HD Video 5'10''
Fluctuat nec mergitur.
„Es mag schwanken, aber es geht nicht unter.“
(Devise der Stadt Paris)
Der Erweiterungsbau von Coop Himmelb(l)au der Kunstakademie München wird zum Schiff auf hoher See - als Metapher für die Kunst und ihre Institution.
Eine Kunstinstitution ist, wie ein Schiff, ein geschlossenes System, ein Kosmos im Kleinen und für sich. Was beide beweglich macht, hält gleichzeitig die Außenwelt auf Distanz: dort die Weite des Meeres, hier die seltsame Unbestimmtheit des Daseinszwecks, die man gerne Freiheit nennt. Das eine wie das andere kann zum Gefängnis werden. Die Matrosen, die sich, den Blick ins Ungefähre gerichtet, an der Reling aufgereiht haben, um zum Jammern eines Schifferklaviers Schuberts Ode an die Kunst zu intonieren, sitzen schon darin. Auf der Kommandobrücke unterdessen hat der Kapitän seine Augen auf den Horizont geheftet, ein entschlossener Blick durchs Teleskop, als habe er den Kurs noch unter Kontrolle. Kein Land in Sicht. Aber das Schiff fährt. (Christian Hartard)

Pascal Jäger
Absprung (2008) | Erweiterungsbau AdBK
Die Integrierung eines überdimensionalen Sprungbretts in die Architektur des Akademieneubaus von Coop Himmelb(l)au lässt diese nicht unähnlich einer hedonistisch orientierten Badespaßinstitution erscheinen. Auf der anderen Seite könnte der Sprung vom Vordach des Akademie-Erweiterungsbaus aufs harte Pflaster der Realität eine unsanfte Landung bedeuten.

Pascal Jäger
Audiobrücke (2007) | Audioinstallation zwischen Alt- und Neubau der AdBK
Die beiden Gebäude werden zu Metaphern unterschiedlicher Kunstbegriffe. Der Altbau vertritt die ideellen Kunstwerte (T.W. Adorno), während der Neubau in Bezug auf seine Architektur jene Kunstbestrebungen symbolisiert, denen Sauberkeit, Eingliederung (Hausmeister) und Marktwert (C. Schmickler) abverlangt werden und welche zu großen Teilen dem künstlerischen Klischee folgen (Balzac).
So begegnen sich die beiden Gebäude in einem Streitgespräch als Konkurrenten.


Alles in Ordnung (2008) | Rauminstallation mit Torte und Magazin
Eine Torte, zu groß.
Kaffeetischidylle.
Alles in Ordnung.
Ein vorbeifahrender Güterzug bricht tosend durch die Gardinen.
Die Gedanken zum Prager Frühling und zu 1968
liegen wild zerstreut überall.
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Hobbykeller (2008) | "Alltägliche Performance", AkademieGalerie München
Der öffentliche Galerieraum wird zum Hobbykeller eines Privathaushaltes. Der Hobbykeller als zweite Realität, als Zufluchtsort für Unerfülltes wird im Zuge der Ausstellung hinsichtlich seiner unterschiedlichen Ausformulierungen untersucht. Es entsteht ein Versuch diesen Ort des Verborgenen jenseits des Scheins als Bühne für Geheimnisse, Träume und Abgründe sichtbar zu machen. In Zusammenarbeit mit ganz nor-malen Menschen werden Bilder erzählt - emotional aufgeladene Objekte gelten als Metaphern für das Innenleben: Modelleisenbahnen werden aufgebaut oder als Kindheitstraum weggepackt; auf dem Hometrainer trocknen Socken; Alltagsgerümpel wird abgeschoben; Identitäten werden gesucht, getauscht und neu erfunden. Durch die transparente Glasfront der Galerie dringt der voyeuristische Blick des Betrachters in die alltägliche Performance der sich dort befindenden Akteure ungehindert ein. Im Innenraum erzeugte Geräusche werden in den Publikumsraum übertragen und verstärken den visuellen Eindruck der Innerlichkeit im Kontrast zur öffentlichen Umgebung.

Betonmodell (2007)
Mit dem vollständig mit Beton ausgegossenen Hohlraum eines Theatermodells erstarren wohl alle Spiele auf den Brettern, die die Welt bedeuten.

Weil ich es will (2008) | ehem. Wäscherei, Dachau
Der Eingriff in die Örtlichkeit einer ehemaligen Wäscherei ist zum einen Ergebnis der Auseinandersetzung mit den dort befindlichen weiß gekachelten, neonbeleuchteten Maschinenräumen, zum Anderen huldigt er - als Relikt eines Befreiungsschlages - der Frauenemanzipation.

Clea (2008) | Videoloop 2'54''
Ich male direkt auf die Wand mit schwarz fünf Kringel, die meinen Namen bedeuten können. Dann bin ich fort. Es dauert nicht lang bis der Hausmeister kommt, der im Auftrag der Verwaltung akribisch meine Spur tilgt.
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The Show must go on (2006)
Der Schriftzug knallt in großen geschwungenen Lettern von der bröckeligen Fassade.
Ein memento mori für Las Vegas.
Clea Stracke & Verena Seibt
Manche Geschichten muss man erfinden. Manche findet man. Und manchmal muss man auch ein wenig nachhelfen, um die versteckten Geschichten ans Licht zu holen. Verena Seibt und Clea Stracke erfinden nichts. Sie finden und lassen finden. In ihrer seit 2004 bestehenden künstlerischen Zusammenarbeit untersuchen sie Orte, Räume und Institutionen, um mit minimalen Eingriffen deren zugrundeliegenden, verschütteten Strukturen hör-, sicht- und spürbar zu machen. Ihre ästhetischen Setzungen sind deshalb Anstiftungen zu einem zweiten Blick auf den Alltag und das soziale Gefüge: Kommentare, die das zur Sprache bringen, was den Dingen sonst unbemerkt anhaftet, subtile Manöver, die das Vertraute gerade fremd genug werden lassen, um es als etwas Neues sehen zu können. (Christian Hartard)
Clea Stracke
1982 geboren in Berlin – Tempelhof
2001-07 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München bei
Prof. Ezio Toffolutti und Prof. Norbert Prangenberg
2004 Nuova Accademia di Belle Arti, Mailand
2005 Hochschule für Bildende Künste bei Raimund Bauer, Hamburg
2009 Diplom Akademie der Bildenden Künste München
Verena Seibt
1980 geboren in Dachau
2001-08 Studium an der Akademie der Bildenden Künste München
bei Albert Hien und Stephan Huber
2004 Akademie der Bildenden Künste Wien bei Heimo Zobernig
2009 Diplom Akademie der Bildenden Künste München
ab 2008 Kuratorische und künstlerische Mitarbeit im Lothringer13Laden München
Ausstellungen (Auswahl)
2010 Erste Jahre der Professionalität 29, Galerie der Künstler, München
Debütantinnen 2010, Galerie GEDOK , München
Residents 2010, Galerie Klatovy/Klenová/ CZ
2009 Mehrwert Kunst, Frankfurter Kunstverein
Unconscious, Galerie Steinle Contemporary, München
Start Point 2009, Galerie Klatovy/Klenová/ CZ
Self-Made Cavalcaders, Art´s Complex Edinburgh/ GB
Zlom 89, Kulturzentrum Rehlovice/ CZ
Wunderkammer,Färberei München
Schön, Rathausgalerie München
Debütanten, Akademie der Bildenden Künste München
2008 Konstruktive Irritationen I - systemische Aufstellung der Akademie
Hobbykeller, AkademieGalerie München
Prager Frühling/ 68, Kulturzentrum Rehlovice/CZ
Walk of Femme, Artothek Dachau
6000 Jahre München/ Klassenausstellung, Galerie der Künstler
Erfolg durch Rebellion, Espace Ubu, Barcelona/ ES
STADTMACHTKUNST, public space, Linden, Hannover
Preise/ Stipendien
Projektförderung des Akademievereins 2008
Preis der Erwin und Gisela von Steiner Stiftung für Diplomanden 2009
Start Point Preis 2009
Förderpreis der Stadt Kaufbeuren für zeitgen. Bild. Kunst 2009
Projektstipendium für Bildende Kunst der Stadt München 2009
Debütantenförderung 2010, Gedok München
Atelierstipendium der Stadt München 2010
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Akademie der Bildenden Künste in München ab
2001.
Klasse Toffolutti.
Letzte Aktualisierung dieser Seite
am
20.02.2010.
E-Mail an
Clea Stracke

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