der Abspann zu meinem Studium.
200 Mitspieler auf Keynotepräsentation
Dankesrede zum Diplom
Hiermit möchte allen danken, die während meinem Studium so gut mitgespielt haben. Jeder hatte seine Rolle und jeder hat sie vortrefflich gespielt. Diese Dreharbeiten kommen, nach 6 Jahren Drehzeit, mit einem Showdown zu einem Abschluss. Und es ist natürlich tragisch, aber unabänderbar, dass ich in dieser ganzen Zeit nur über eine Kameraperspektive verfügte - (nämlich) die meiner eigenen Kamera im Kopf. Die der Kommilitonen, der Professoren und Werkstattleiter, Assistenten und Mitarbeiter in der Verwaltung lässt sich ja leider nur erahnen. Des öfteren hätte ich gerne zu meinem Gegenüber gesagt: "DAS ist ja eine Interessante Perspektive, kannst Du mir die mal auf DVD brennen?" --- Und bei manch anderen konnte ich nur auf einen Knick in der Optik schließen, es aber natürlich nicht überprüfen. Dieser FireWire Anschluss ist noch nicht erfunden, mit dem ich mir kurz mal die Einstellung meines Gesprächspartners anschauen könnte.
Noch vor den mangelhaften Vervielfältigungsmöglichkeiten der eigenen Wahrnehmung sind die Speicherfähigkeiten des Menschen eigenen und einzigartigen Gesetzen unterworfen. Ich will Ihnen kurz verdeutlichen, was ich meine: Jetzt bin ich schon auf eine einzige Perspektive beschränkt und dann tun die Schauspieler vor der Kamera unverschämterweiße auch noch das - und nur das - was SIE wollen. Man kann nicht einfach "Cut" schreien oder sich auf sein Drehbuch berufen oder eine Szene fünfmal hintereinander aufnehmen, bis sie sitzt. Da spielt ja keiner mit. Meine Kamera läuft und es ist wie eine andauernde life-Aufnahme. --- Um die Verzweiflung, dass die ganze Welt in meinem Film ständig nur improvisiert, überhaupt zu verkraften, erfand ich eine Lösung: Post Production!
Das gespeicherte Filmmaterial ist in einem äußerst flexiblen Zustand. Nachträglich - und mit etwas Übung sogar in Echt-Zeit - kann ich jetzt Charaktere wegnehmen oder hinzufügen, das Set ändern und sogar die Gesetze der Zeit aufheben, nicht gedrehte Szenen neu animieren und den passenden Soundtrack dazu komponieren. So konnte ich den Film meines Studiums komplett überarbeiten und nun mit einem Hollywoodreifen Finale zum Abschluss bringen. Freilich um den Preis, dass ihn kein anderer außer mir sehen kann. Aber ich kann Ihnen verraten, er hätte einen Oscar verdient, waren es doch auch Oscar-verdächtige Schauspielleistungen von Ihnen allen.
Während ich dies niederschreibe, dämmert mir etwas: Ich bin nicht allein. Das machen wahrscheinlich alle so! Mit Vorlieben für alle Genres: Vom Bewerbungsdrama über den Ausstellungs-Slap-Stik zum Senats-Politthriller mit gelegentlichen Ausflügen ins Horror- und Splatterfach. Mit Anspruch, mit Anspruch zur Vollständigkeit oder gefangen in der ewig bunten Disney-Manga-Familien-Komödie. Jeder dreht und schiebt seinen eigenen Film und schneidet ihn sich zurecht, bis irgendwann der Final Cut vor dem inneren Auge vorbeirauscht.
Vielleicht sind wir Kunststudenten gute Lehrlinge darin - unsere Professoren aber doch die wahren Meister. Die meisten halten tatsächlich die aktuellste Schnitt-Fassung für ihr Leben und nicht für die Verfilmung des selbigen.
Beim Vergleich dieser sehr unterschiedlichen Fassungen kommt es manchmal zu unverhofften Übereinstimmungen, die in einem Gartenhaus oder einem Projektraum für alle Studenten resultieren, manchmal kommt es aber auch zu schlimm unsynchronen Multi-Scream-installationen. Da braucht es dann mitunter schon mal 2 einhalb Jahre um eine Professur neu zu besetzen - klar - weil die verwendeten Ästhethiken der beteiligten Filme sich zu sehr beißen und erst angeglichen werden müssen.
Traditionen sind ein probates Mittel um solche Prozesse zu beschleunigen, allerdings wundere ich mich manchmal, welche veralteten Kameraperspektiven da traditionell verwendet werden, wenn zum Beispiel Preis-Jury-en mit mehr als der Hälfte mit internen Mitgliedern berufen werden, die sich in keinster Weise der Kritik erwehren können, ihre Zöglinge zu bevor-, bzw. zu benachteiligen.
Aber auch hier helfen die Werkzeuge des Editierens und ich animiere mir zum Schluss meine Oscarverleihung im rechten Licht und mit dem besten Publikum, das ich jemals hatte!
Und wenn ich Ihnen zum Schluss noch einen echten Filmemacher Geheimtip auf den Weg geben darf, dann ist es dieser: Immer ein Backup vom Rohmaterial behalten!
Mit besten Grüßen, Flow Defoe
Ältere Projekte:
RebellSweat
Fake-Werbeclip. Kooperation mit Verena Seibt
LEO
eine Experimental-Doku. Ausschnitt/Excerpt
aus der Ausstellung DenkmalDiskurs im Gartenhaus der Kunst.