Ansichten der interaktiven Lichtinstallation "Meine Projektion ist größer heller und schneller als deine", AkademieGalerie, Juni 2009, von Susi Gelb, Nele Müller und Janina Roider
Eine monumentale Wand, rasterartig bestückt mit über tausend leeren Lampenfassungen, verstellt den Blick in die AkademieGalerie. Ein absurdes Bild, das zunächst keinen Sinn ergibt. Ein tristes, dunkles Schaufenster in der monotonen U-Bahn-Atmosphäre. Daneben ein großer Stapel Glühbirnen. Gegen einen symbolischen Wert kann der Besucher eine Glühbirne erwerben und sie nach seinem Belieben in eine der vielzähligen Fassungen schrauben.
Lampe für Lampe – hell und heller. Durch das Eingreifen der Betrachter entstehen stets neue Lichtbilder, die Lichtwand leuchtet jeden Tag mehr.
Große helle Eröffnung am 10.06.09 mit DJ Hell Link zum Video
Finissage am 21.06.09 mit ROSALIE UND JAKOB Link zum Video
"Beat yourself", Boxsack, Spiegelfolie, Gemeinschaftsarbeit mit Camilla
Guttner, 2008
Ausstellungsansicht im Neuland
"the joy of painting", 2008
"Mais", 2008
"Maus", 2008
"Gelbe Lippen", 2008
"Cafe", 2008
"fsk 18", mit Camilla Guttner, Lydiane Lutz und Janina Roider, 2008
"watch out", Musikvideo für die Band THE LAST EXIT, 2008
Eine blaue Socke in der Wäsche kann großen Schaden anrichten. So eine blaue Socke kann Kunst sabotieren. ,,Ich habe schon von Weitem durch das Fenster in der Waschmaschine gesehen, dass was nicht stimmt‘‘, erinnert sich Susi Gelb. So eine blaue Socke kann einer ganzen Ladung gelber Wäsche einen Senfton verleihen.
Susi Gelb gibt es seit etwa einem Jahr. Susi Wiedemann aus Bad Tölz gibt es seit gut 23 Jahren, aber in letzter Zeit verschmelzen die beiden zu einer Person. Nach ihrer verpatzen Waschaktion fehlte Susi Gelb die Ausstattung, um täglich gelb zu sein. Da wurde sie so häufig angesprochen, dass es ihr schon fast lästig wurde. Ihrer Kunstfigur entkommt die 23-Jährige nicht mehr. Aber das möchte sie auch nicht. An den meisten Tagen genießt es die Studentin, in leuchtend gelben Outfits U-Bahn zu fahren und angestarrt zu werden wie eine Irre. ,,Früher wäre mir das unangenehm gewesen‘‘, erinnert sich die Kunststudentin. Inzwischen macht es ihr Spaß. Darüber sich den Namen ihres Alter Egos in den Personalausweis eintragen zu lassen, hat sie bereits nachgedacht.
Die Entwicklung von Susi Wiedemann zu Susi Gelb beginnt bei einer Ausstellung im Winter 2007. Jemand macht ein Foto von ihr im gelben Outfit vor einer gelben Skulptur. Da packt Susi das Gelb-Fieber. ,,Ich habe viel über Gelb gelesen‘‘, erzählt sie. ,,Das ist zum Beispiel die Farbe mit der besten Fernwirkung.‘‘ Bei der 23-Jährigen hat sie sogar eine noch bessere Fernwirkung als bei den meisten Menschen. Wenn sie in ein Geschäft geht, fallen Susi auf Anhieb alle Artikel in Zitronen-, Sonnen und Neontönen ins Auge. Heute trägt sie gelbe Ohrringe, Cowboystiefel, Regenjacke und Wollmütze. Aber was gut zu sehen ist, muss nicht immer leicht zu haben sein. Einen riesigen gelben Elefanten, der als Werbefigur durch München fuhr, erwischte die 23-Jährige erst nach mehreren Verfolgungsjagden und Telefonaten. Schließlich entstand doch noch die Fotoreihe mit Susi Gelb vor gelbem Elefantenpo.
Kampf um die Finanzierung
An der Akademie der bildenden Künste in München kennt man Susi Gelb, seit sie bei einer Jahresausstellung der Akademie Sticker verteilt hat. Einige der knallgelben Aufkleber pappen noch heute in den Gängen des Gebäudes. Hier hat sie 2006 ihr Studium begonnen. Obwohl Susi mit ihrem Notendurchschnitt ,,alles machen könnte‘‘ - wie die Abiturientin immer wieder zu hören bekommt - entscheidet sie sich für ein Kunststudium.
An der Akademie lernt Susi bald, dass Ideen leichter sprudeln, als das Geld für die Umsetzung. Viele Projekte drohen daran zu scheitern, dass sie zu teuer sind. ,,Meine Eltern sagen dann immer: ’Ja, dann lass es halt.’‘‘, erzählt Susi. ,,Aber meine Professorin ist total radikal und spornt mich an, dafür zu kämpfen und Geld für mein Projekt aufzutreiben. Im Vergleich zu ihr, fühle ich mich manchmal alt‘‘, gibt die 23-Jährige zu. Ihre Professorin ist die tschechische Bildhauerin Magdalena Jetelová - und über sechzig. Susi hat gelernt, dass man in der Kunst Risiken eingehen muss. Viele Projekte sind zwar teuer in der Umsetzung - allerdings werden gerade diese Kosten bei guten Arbeiten durch Preise wieder hereingeholt. Als Kunststudentin macht man sich mehr Gedanken um Geld, als viele Menschen meinen. Susi hat es dabei noch leichter als die meisten: Sie betreibt hauptsächlich Foto- und Videokunst - trashige, wie sie sagt. Das ist wesentlich billiger als beispielsweise Malerei.
Nicht nur Geldnot kann künstlerische Pläne durchkreuzen; auchdie Münchner Verkehrsgesellschaft. Am 23. April eröffnet an der Haltestelle Universität eine Ausstellung in der U-Bahn-Galerie, an der Susi Gelb teilnehmen wird. Zusätzlich zur Exposition in der Galerie im Zwischengeschoss der U-Bahnstation waren Ausstellungsstücke auf Bahnsteigen, in Schaukästen und Waggons geplant. Den entsprechenden Antrag lehnte die MVG aber ab. Für die Vernissage muss Susi jetzt umplanen und einen Beitrag entwerfen. Vor Ausstellungen werde die Zeit oft knapp, deshalb hat die Kunststudentin noch nicht an vielen teilgenommen. ,,Neben dem Studium noch Ausstellungen zu organisieren, frisst ziemlich viel Zeit‘‘, sagt sie.
Schmiere stehen
Auch wenn das Projekt, das Susi ursprünglich für die U-Bahnausstellung geplant hat, bis zum 23. April nicht fertigt wird; ein Thema für die Jahresausstellung hat ihr die unterirdische Exposition beschert. Von den Verkehrsbetrieben konnte sich die Studentin eine alte U-Bahn-Anzeigen-Tafel sichern. Wo in den Kästen Schilder umgeklappt werden, die die nächste Verbindung anzeigen, will Susi Bilder befestigen und so eine Art mechanisches Daumenkino bauen. Anstatt der ankommenden U-Bahnen sollen bewegte Landschaften über die Anzeige rattern. Zu solchen Trickfilmspielerein hat Susi eine spezielle Beziehung: Sie ist über den Umweg des Daumenkinos zur Videokunst gelangt.
Susi Gelb hinterlässt Spuren: Sticker, verwirrte Gesichter, gelbe Farbtupfer im Stadtgeschehen. Manche davon sind permanent: In einem ihrer Videos richtet sich Susi Gelb ihren Sitzplatz in einem Café nach ihren Vorstellungen ein: mit gelben Platzdeckchen und gelbem Strohhalm im Orangensaft. Zuletzt nimmt sie das rote Bild von der Wand und überpinselt es vollständig mit gelber Farbe. Was auf dem Video inszeniert wirkt, war alles andere als das. ,,Meine Freundin hinter der Kamera musste gleichzeitig Schmiere stehen‘‘, erinnert sich Susi und lacht. Für mehr Gelb in der Welt greift sie schon einmal zu rabiaten Mitteln."
(Artikel aus der Süddeutschen Zeitung vom 31.03.09, von Susanne Krause)